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Als
Tobi uns über den Weg lief,
schlossen wir ihn
sofort in unser Herz
Im
Mai 2004 trafen wir uns mit den beiden Leiterinnen des Tierheimes.
"Nehmt bloß nicht so viele Hunde auf,man kann nicht die
ganze Welt retten!" predigten wir. Wenig später sahen
wir an einem Imbissstand einen kleinen hellbraunen Welpen, der ohne
Erfolg um einen Wurstzipfel bettelte. Furchtbar unterernährt
war das arme Tier. Alle unsere Pläne über den Haufen werfend,
beschlossen wir, den hungrigen Hund
schnell noch im Tierheim am Stadtrand abzugeben.
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Als
wir zurückkamen, saß der Welpe schon wieder vor dem Imbiss.
Wir trauten unseren Augen nicht. Später erfuhren wir, dass es
eine Hündin gibt, die drei Welpen hat, und alle sich zum Verwechseln
sehr ähnlich sind. Der Kleine schaute so kläglich, dass
wir zum zweiten Mal ins Tierheim fuhren und ihn zu seinem Bruder brachten.
Alle selbst gepredigten Vorsätze hatten wir in 10 Minuten über
Bord geworfen. Vorher hatte er natürlich erst noch die Wurst
bekommen, nach der er sich den Hals vergebens verrenkt hatte. Die
Frau am Imbiss schüttelte ungläubig den Kopf: "Wie
kann man einen Straßenköter auch noch füttern
.". |
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den nächsten Tagen hatten wir zehn gesunde, aber stark unterernährte
Welpen ausgesucht. Sie sollten in Deutschland ein neues Zuhause finden.
Die im Tierheim noch verbleibenden Welpen wurden von den Tierärzten
betreut und geimpft. Nur unsere beiden "Imbiss-Bettler",
die wir Tobi und Kalle tauften, waren so schwach, das man ihnen keine
Chance zum Überleben ausrechnete. Das war für uns das Signal
- jetzt erst recht! Alle Hunde waren in Quarantäne, Tobi und
Kalle bekamen dreimal täglich eine spezielle Infusion. Der Tag
der Heimfahrt rückte näher, und der Amtstierarzt gab für
alle Welpen das OK. |
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uns lagen Wochen voller körperlicher und seelischer Anspannung.
Die beiden Tierärztinnen aus Berlin hatten den Heimflug angetreten
und der Alltag im Tierheim kehrte zurück. Durch Wärme und
Zuwendung, kontinuierliches Füttern und die ärztliche Betreuung
hatten alle Welpen eine gute Voraussetzung für den Start in ein
neues Leben. Um Tobi mussten wir uns speziell kümmern, er war
ein kleiner Mickerling. Darum hatten wir ihn ganz besonders ins Herz
geschlossen. |
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der letzten Woche nahmen wir die Welpen öfter mit ins Kinderheim,
um bei unseren kleinen Freunden Verständnis für Straßenhunde
aufzubauen. Tobi war auch dort der besondere Liebling. Die Kinder
begriffen schnell, dass man alle Lebewesen mit Achtung und Respekt
behandeln muss. Unsere Freundin, Schwester Dolore, vermittelt diesen
Grundsatz den Kindern, die auch Kinder der Straße sind, seit
Jahren. |
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| Schwer
war der Tag der Abreise, als wir uns im Tierheim verabschiedeten und
in all die traurigen Hundeaugen blickten. Uns war klar: Viele der
Tiere würden den nächsten Winter nicht überleben. Wir
wollten unserer bunten Welpenfamilie stellvertretend für alle
rumänischen Straßenhunde in Deutschland einen neuen Start
ermöglichen, und auf deren Schicksal aufmerksam machen. Nur so
würde es uns gelingen, immer wieder helfende Hände für
unser Projekt zu finden. |
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Die
kleine Reisegruppe im Heck unseres Autos verhielt sich völlig
ruhig. Als ob die Welpen ahnten, ihnen steht eine glückliche
Zukunft bevor. Tobi hatte fast die gesamte Zeit auf unserem Arm verbracht.
Zu Hause angekommen, begann ein übermütiger, glücklicher
Knäuel Hund Haus und Garten zu belagern. Tobi voran. Allmählich
wurden die Hunde auf Vollwertfutter umgestellt und täglich vom
Tierarzt betreut. Nach der abgelaufenen Quarantänezeit besuchten
viele Tierfreunde unsere kleinen Freunde. Wir suchten nach sehr strengen
Maßstäben die neuen Hundehalter aus. |
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Denn es beweist sich leider immer wieder, dass manche Tierfreunde
nach ein paar Tagen total überfordert ihr neues Familienmitglied
sehr schnell wieder ins Tierheim abschieben. Aber gerade das sollte
unseren Welpen erspart bleiben. Nur einem Welpen in unserer Gruppe
wurde dieses Schicksal beinahe zu teil: Tobi. Wir nahmen ihn zweimal
zurück. Unter unserer Obhut erholte er sich sehr schnell, war
kess und verzapfte nur Unsinn. Eine dritte Vermittlung, trotz 36 Bewerbern,
brachten wir nicht übers Herz. So eine kleine Seele ist schnell
gebrochen. Obwohl wir schon zwei Hunde besaßen, beschloss der
Familienrat, Tobi zu behalten. Wir hatten das Gefühl, dass Tobi
wie ein Bumerang immer wieder zu uns zurückkehrte. War er bei
uns, benahm er sich wie ein ganz normaler Welpe. Bei unseren Freunden
von der Hundeschule "Animal-Training" in Schulzendorf lernten
wir viel über den richtigen Umgang mit unseren Hunden. Dort trafen
wir fast alle unserer Welpen wieder. Es waren glückliche Stunden
im Leben der Welpen. |
| Bis
zu dem Tag, als Tobi beim Toben auf einer Wiese plötzlich laut
winselnd zusammenbrach. Blut sickerte aus seiner Brust. Luftblasen
blubberten aus der klaffenden Wunde. Leidvoll blickende Hundeaugen
wie ein stummer Schrei. Diesen Anblick werden wir nie vergessen. Schnell
den Daumen auf das Loch in der Brust pressen! Todesangst! Nur hundert
Meter bis nach Hause, doch auch dieser Weg kann sehr lang sein. Druckverband
anlegen! Dann mit Warnblinkanlage und ohne auf den Tacho zu schauen
zur Tierklinik. Jede Sekunde zählte. Dem hervorragenden Team
der Tierklinik Retzko in Königs Wusterhausen ist es zu verdanken,
das Tobi überlebte. Er bekam seine dritte Chance auf sein Leben.
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Dem
Ordnungsamt vor Ort berichteten wir noch am selben Tag, was passiert
war. Über vierzig verrostete Moniereisen spießten wie Sperren
aus dem meterhohen Unkraut. Jeder, der das hörte, war entsetzt.
Tobi hatte sich bei lebendigem Leibe durch die Fahrlässigkeit
von Menschen regelrecht aufgespießt. Aber hätte es nicht
auch eines der spielenden Kinder seien können, die dort oft herumtollen?
Von Seiten des Ordnungsamtes wurde alles unternommen, um die Gegend
abzusichern. |
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Man merkte jedem die Betroffenheit an. Auf dieser Wiese hatten schon
mehrfach Dorffeste stattgefunden. Keiner hatte die Gefahr bemerkt.
Nach vielen Tagen konnten wir Tobi aus der Tierklinik abholen. Er
war auch dort zum Liebling des Personals geworden. Mit seinem neuen
Strickpullover, das Fell war einem großen Operationsfeld gewichen,
erkannte man ihn überall schon von weitem. Tobi zeigte uns durch
sein liebevolles Verhalten, das er glücklich war, wieder bei
uns zu sein. |
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Der
Besitzer des Grundstückes ignorierte weiterhin die Gefahr auf
seiner Wiese, obwohl er davon wusste. Nach mehreren Versuchen, uns
über entstandene Probleme friedlich mit ihm zu einigen, mussten
wir rechtliche Schritte einleiten.
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Im
Antwortschreiben des Anwalts wurde uns der Wert unseres Hundes erklärt:
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"
selbst wenn meinen Mandanten eine Ersatzpflicht träfe, vermag
ich nicht nachvollziehen können, weshalb hier ein Anspruch
auf Wiederherstellungskosten des, aus Rumänien stammenden Mischlingshundes
in geltend gemachter Höhe meinen Mandanten träfe, wenn
die Neuanschaffung eines entsprechenden Tieres jedenfalls bei deutlich
unter 50,- Euro liegen dürfte."
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