Heidi

... aufgeschrieben von
Sandra Knoblich

Im März war ich wieder in Rumänien. Vieles habe ich dort erlebt. Einen Tag vor unserer geplanten Abreise kamen die Hundefänger und haben 4 Hunde gebracht.
Sie bringen die Hunde mit einem Müllauto. Die Hunde sitzen in einem Käfig. Die Männer fahren immer am Tierheim von Magda und Eva vorbei. Würden die Hunde dort nicht aufgenommen, brächten die Männer sie in an ihren eigentlichen Bestimmungsort: eine Tötungsstation.

Die Hunde haben Angst. Ein netter Rüde liegt ganz vorn. Will er die anderen beschützen?

Die Hunde werden in einen Zwinger gebracht. Die Tierfänger heben die Box aus dem Müllauto und öffnen dann die Tür, damit die Hunde in den Zwinger gehen.
Eine kleine Hündin traut sich nicht heraus. Ich strecke schnell meine Hand rein und stupse sie etwas an, damit sie hinaus geht und damit man die Box nicht wegen ihres Zögerns kippt.

Als die Männer weg sind, gehen wir zu den Hunden und schauen, ob alles in Ordnung ist. Der nette Rüde hat eine Bissverletzung und wir desinfizieren diese gleich. Das kleine Mädchen, das ich aus der Box geschubst habe, hat sich bei der Autofahrt übergeben müssen. Ihr Mäulchen ist voller Schleim. Ich mache ihr mit einem Taschentuch die Schnauze sauber. Wenn das auch alles ist, was ich für das arme, verwirrte Ding tun kann.
Zwei der Hunde haben sich direkt in die Hütte verkrochen.

Ich bin sehr traurig wegen dieser Hunde. Wo kommen Sie her? Was haben sie erlebt? Werden sie vermisst oder ist es ganz egal, dass sie weg sind? Wird man nach ihnen suchen oder sich einfach einen anderen holen? Nur sehr selten werden Hunde wieder von ihren Besitzern abgeholt...

Ich gebe der Kleinen ein Versprechen: Ich komme im Juni wieder. Und wenn sie bis dahin keiner abgeholt hat, nehme ich sie mit.

Aus Juni ist Juli geworden. Und ich habe die Kleine bei unserem Julitransport mitgenommen. Sie ist ein kleines Schnuckelchen. Lieb und anhänglich, neugierig entdeckt sie ihr neues Leben. Wo sie herkommt? Sie hat vermutlich nicht im Haus gelebt. Das Betreten eines Gebäudes macht ihr noch Angst. Aber sie gewöhnt sich, durch Türen zu laufen. Dieses Verhalten beobachten wir sehr oft bei Hunden aus dem Tierheim. Vermutlich sind sie von Hauseingängen bisher immer verjagt worden. In der Wohnung selbst fühlt sie sich sehr wohl und nutzt jede Gelegenheit, sich ganz fest an mich anzukuscheln. Nun sucht Heidi eine eigene Familie. Denn nur wenn wir sie wieder gehen lassen, kann ihr ein Hund nachfolgen und somit auch seine Chance auf ein besseres Leben bekommen.